Entwicklung des Case Management Psychoonkologie

Die Carina Stiftung, Herford, (ehemals SULO Stiftung) befasst sich seit ihrer Gründung 1994 mit dem Aufbau und der wissenschaftlichen Optimierung psychoonkologischer Versorgungsstrukturen in der Versorgungswirklichkeit.

Besondere Merkmale des Engagements der Carina Stiftung in der Psychoonkologie:

  •  Förderung der psychoonkologischen Patientenversorgung am Klinikum Herford durch die 
     Abteilung für Psychoonkologie,
  •  Kontinuierliche Evaluation der klinischen Arbeit durch renommierte externe Gutachter.
  •  Entwicklung einer leitlinienbasierten sektorenübergreifenden Patientenversorgung.
  •  Strategische Weiterentwicklung der evidenzgestützten psychoonkologischen Versorgung.

Ziel der Carina Stiftung ist es, allen von Krebs betroffen Menschen den Zugang zur psychoonkologischen Versorgung zu ermöglichen.

 

Förderung der psychoonkologischen Patientenversorgung am Klinikum Herford durch die Abteilung für Psychoonkologie

Zwischen 1995 und 2006 förderte die Stiftung eine eigenständige Abteilung für Psychoonkologie am Klinikum Herford, einem 711-Betten Haus der Akutversorgung.

Die Abteilung für Psychoonkologie am Klinikum Herford bestand aus einem Abteilungsleiter, drei Psychologischen Psychotherapeuten und einer Kunsttherapeutin. Die Abteilung versorgte stationär behandelte Krebspatienten, kooperierte mit regionalen Selbsthilfegruppen, förderte regionale Netzwerke und leitete den Arbeitskreis „Psychosoziale Nachsorge“ im Kreis Herford. Im Jahre 2003 ging aus der „Psychosozialen Nachsorge“ die „Krebsberatungsstelle am Klinikum Herford" hervor.

In den Jahren bis 2006 wurden im Klinikum Herford jährlich über 800 Patienten mit mehr als 2.500 Gesprächen psychoonkologisch versorgt. Die Leistungszahlen und weitere Aktivitäten der Abteilung sind ab 1999 in den Jahresberichten dokumentiert.

Im Jahre 2001 erarbeitete die Abteilung eine Selbstverpflichtung, die fortan für ihre Aktivitäten handlungsanleitend ist:


Selbstverpflichtung der Abteilung für Psychoonkologie am Klinikum Herford.

  1. Die Würde, Autonomie und Sicherheit des an Krebs erkrankten Menschen haben für uns Priorität.
  2. Unser gesamtes Handeln orientiert sich an den persönlichen Lebensumständen und individuellen Bewältigungsbemühungen des an Krebs erkrankten Menschen.
  3. Unser Ziel ist es, den an Krebs erkrankten Menschen begleitend zur Krebsdiagnostik, Krebsbehandlung und Krebsnachsorge je nach Bedarf zu informieren, zu unterstützen und psychotherapeutisch zu behandeln.
  4. Wir arbeiten auf Grundlage eines psychoonkologischen Versorgungssystems, das den Anforderungen des rationalen sowie kostenbewussten Handelns im Gesundheitswesen genügt.
  5. Unsere psychoonkologischen Versorgungsangebote sind Ausdruck einer begründeten und klinisch erforderlichen Betreuung an Krebs erkrankter Menschen.
  6. Die Qualität unserer Versorgung wird durch fortlaufende abteilungsinterne Optimierungsmaßnahmen sichergestellt.
  7. Unsere wissenschaftlichen und forschenden Tätigkeiten sind unmittelbar auf die Patientenversorgung hin ausgerichtet.
  8. Das kollegiale Miteinander in unserer Abteilung wird durch ein gemeinsam vertretenes Interesse und Engagement an den Zielen der Abteilung für Psychoonkologie getragen.
  9. Wir sichern die bewährte Praxis psychoonkologischer Betreuung an Krebs erkrankter Menschen und optimieren sie - entsprechend neuer Erkenntnisse in der Patientenversorgung - fortlaufend.

 

Kontinuierliche Evaluation der klinischen Arbeit durch renommierte externe Gutachter

Die Carina Stiftung hat ihr Engagement auf dem Gebiet der Psychoonkologie stets einer Evaluation unterzogen.

Der Aufbau der eigenständigen Abteilung für Psychoonkologie am Klinikum Herford wurde durch die wiederholte externe Evaluierung der Qualität psychoonkologischer Versorgung begleitet:

 

1997: Evaluierung durch Prof. Dr. Dr. F. Muthny, Universität Münster

Professor Muthny bescheinigt der Abteilung für Psychoonkologie im Jahre 1998 im Anschluss an deren Implementierung am Klinikum Kreis Herford, dass anhand der Leistungszahlen der Abteilung

  • „der Bedarf für psychoonkologische Leistungen klar und differenziert bestätigt wurde,
  • entsprechende Angebote und Maßnahmen für Patienten und Pflegekräfte tatsächlich in Anspruch genommen wurden und
  • die Maßnahmen sich unter vielen Kriterien als wirksam und nützlich erwiesen haben."

Im Anschluss an die Implementierungs- und Erprobungsphase (1995-1998) wurde das psychoonkologische Leistungsangebot der Abteilung kontinuierlich verstetigt und systematisch ausgebaut.

 

1999: Evaluierung durch Prof. Dr. G. Nagel, Klinik für Tumorbiologie Freiburg

Professor Nagel kommt in seiner Begutachtung der Abteilung für Psychoonkologie im Jahre 1999 zum Ergebnis, dass die Abteilung „dabei ist, ein flächendeckend psychologisches Versorgungsmodell für das Einzugsgebiet des KKH (Klinikum Kreis Herford) zu entwickeln und dazu ein Kompetenzzentrum (Center of Excellence) im KKH mit Aufgaben der Fort- und Weiterbildung, Supervision, Personalschulung, Liaison-Psychologie, Koordinierungs- und Auskunftszentrale, Info- und Mediothek aufzubauen.“

Im Gutachten hält Professor Nagel fest, dass „dies der Gruppe in erstaunlich kurzer Zeit schon zum großen Teil gelungen“ sei.

Die Weiterentwicklungen der Abteilung für Psychoonkologie haben sich seit Beginn des Jahres 2000 auf den Aufbau eines Kompetenzzentrums gerichtet. Damit verbunden war die Erarbeitung grundlegender Modelle und Konzepte für die Bestimmung formaler, klinischer und ökonomischer Qualitätsindikatoren psychoonkologischer Versorgung im Liaison- und Konsildienst eines Akutkrankenhauses (vgl. Jahresbericht 2001 und 2002).

 

2001: Evaluierung durch McKinsey & Company, Unternehmensberatung Düsseldorf

McKinsey & Company haben im Jahre 2001 eine gesundheitsökonomische Bewertung der psychoonkologischen Versorgungsleistungen der Abteilung für Psychoonkologie durchgeführt.

Die von McKinsey & Company ermittelten Hinweise auf einen ökonomischen Nutzen psychoonkologischer Versorgung beziehen sich auf zwei wesentliche Aspekte:

  • Reduktion ineffizienter Krebstherapien in Folge von Therapieabbrüchen
  • Allgemeine Reduktion der gesamten Behandlungskosten

 

2002: Evaluierung durch Prof. Dr. Dr. U. Koch, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Professor Koch hat im Jahre 2002 eine psychoonkologische Evaluation der Abteilung für Psychoonkologie am Klinikum Kreis Herford durchgeführt. In seinem Abschlussbericht stellt Professor Koch fest: „Die Beurteilung der Wirksamkeit psychologischer Interventionen eines psychoonkologischen Dienstes setzt eine hohe Qualität in der Erbringung der Angebote voraus."  (Abschlussbericht I: Psychoonkologische Evaluation der Abt. Psychoonkologie am Klinikum Herford. Prof. Dr. Dr. Uwe Koch, Abt. für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf)

Im Auftrag der Carina Stiftung wurden durch die Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Hamburg-Eppendorf eigens für diese Beurteilung der Versorgungs- und Dienstleistungsqualität der Leitlinienkatalog "Empfehlungen zur Psychoonkologischen Versorgung im Akutkrankenhaus“ entwickelt (vgl. Jahresbericht 2002).

Der Leitlinienkatalog „zielt auf eine wissenschaftliche begründete und ökonomisch angemessene Vorgehensweise [der psychoonkologischen Versorgung] unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Einstellungen der Patienten und damit die Verbesserung der psychosozialen Versorgung“ ab. „Anhand des Leitlinienkatalogs sollen darüber hinaus unnötige psychosoziale Maßnahmen und damit unnötige Kosten ebenso vermieden werden wie unerwünschte Schwankungen in der Versorgung von Krebspatienten."

Die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der Abteilung für Psychoonkologie wurde auf Basis dieses Kataloges bewertet.
 „Als Ergebnis ist ein guter bis sehr guter Standard der Abteilung für Psychoonkologie am Klinikum Herford festzustellen“ (Prof. Koch, 2002).

Die Rahmenbedingungen einer angemessenen psychoonkologischen Versorgung im Akutkrankenhaus waren mit den Empfehlungen vorgegeben.

Die am Klinikum Herford etablierten und qualitätsgesicherten Versorgungsstrukturen haben als „Herforder Modell“ sowohl Eingang in die wissenschaftliche Literatur als auch in die fachlichen Diskussionen gefunden und bestätigen ihre breite Akzeptanz und Praxisrelevanz.

 

Gesundheitspreis 2003 des Landes NRW

Am 4. Dezember 2003 wurde der Gesundheitspreis 2003 des Landes NRW von Gesundheitsministerin Fischer verliehen.

Den 1. Preis erhielten die SULO Stiftung, Herford und ihr Kooperationspartner, die Abteilung für Psychoonkologie, Klinikum Kreis Herford für das Projekt: Case Management Psychoonkologie.

Die ausgezeichneten Projekte 2003:

1. Preis: Auszeichnung der SULO-Stiftung, Herford mit dem Projekt „Case Management Psychoonkologie“.

Ziel ist die systematische Entwicklung der psychosozialen Betreuung von Krebspatientinnen und -patienten sowie deren Angehörigen nach einer Krebstherapie. Das Projekt wurde zunächst am Kreiskrankenhaus Herford umgesetzt.

2. Preis: Auszeichnung der AOK Rheinland (Düsseldorf), des BKK Landesverband NRW, der IKK Nordrhein, der Landwirtschaftlichen Krankenkasse NRW, der VdAK/AEV Landesvertretung NRW, der Bundesknappschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein für das Projekt „Disease-Management-Programm Brustkrebs im Rheinland“.

Bei dem Gemeinschaftsprojekt geht es um die Verbesserung der Qualität des gesamten Behandlungsprozesses bei Brustkrebs.

3. Preis: Auszeichnung der Krebsgesellschaft NRW e.V. (Düsseldorf) mit dem Projekt „5 am Tag für Kids“.

Ziel des Projekts ist es, Kindern der dritten und vierten Klasse in Grundschulen spielerisch zu einer gesunden Ernährung mit fünfmal Obst und Gemüse am Tag zu ermuntern.

3. Preis: Diese Auszeichnung geht an die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, Bielefeld mit dem Projekt „Älter werden mit Behinderungen“.

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitsförderung durch Bewegung für älterwerdende Menschen mit Behinderungen.

In der Begründung heißt es: Eines der zentralen Ziele der SULO Stiftung ist die psychosoziale Betreuung von Krebspatientinnen und -patienten sowie deren Angehörigen während und nach einer stationären und ambulanten Krebstherapie in Deutschland. Hierzu hat die Stiftung am Klinikum des Kreises Herford eine eigenständige Abteilung Psychoonkologie etabliert, finanziert und nach Qualitätskriterien evaluiert („Herforder Modell“).

 

Entwicklung einer leitlinienbasierten sektorenübergreifenden Patientenversorgung

Konzept der strukturierten psychoonkologischen Versorgung

Patientendokumentationssystem CMP-Pat.doc: Grundaufbau

Das Care-Service-Science-Konzept als Grundlage des Case Management: Psychoonkologie

 

Strategische Weiterentwicklung der evidenzgestützten psychoonkologischen Versorgung

Mit Abschluss der Untersuchungen zur Praktikabilität psychoonkologischer Betreuung in der Versorgungswirklichkeit einer Akutklinik, der unternehmerischen Bewertung der Wirtschaftlichkeit psychoonkologischer Versorgung und der Bewertung der Merkmale der Versorgungs- und Dienstleitungsqualität einer Abteilung für Psychoonkologie im Jahr 2003 waren auch die Grundlagen für eine multizentrische, prospektive Studie zur klinischen Angemessenheit und Nützlichkeit psychoonkologischer Akutversorgung im stationären Versorgungssektor geschaffen.

Im Jahre 2004 startete das Projekt „Case Management Psychoonkologie“

Ziel des Projektes „Implementierung psychoonkologischer Leistungen in Kliniken der Akutversorgung“ war es, die wissenschaftliche Evidenz mit den Anforderungen des klinischen Alltags unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben zu einem strukturierten psychoonkologischen Versorgungsprogramm zusammenzuführen, umzusetzen und unter Bedingungen der Versorgungswirklichkeit zu evaluieren.

Die Umsetzung des Ziels erforderte mitunter:

  • Definition der Merkmale der psychoonkologischen Versorgungs- und Dienstleistungsqualität, sowie verbindliche Festlegung der Leistungserbringung durch die Verwaltungsleitungen der beteiligten Kliniken.
  • Sicherstellung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in den beteiligten Kliniken.
  • Nachweis des klinischen Nutzens hinsichtlich der Bedarfsgerechtigkeit der Versorgung, der Angemessenheit der Leistungserbringung und der Ergebnisse psychosozialer Versorgung.

Dargestellt wurde die Versorgungs- und Dienstleistungsqualität über entsprechende klinische und administrative Kennzahlen in Form einrichtungsinterner Qualitätsberichte und klinikübergreifender Leistungsvergleiche.

Die Ergebnisse des Projektes Case Management Psychoonkologie sind unter der Rubrik "IGV-Projekte > CMP-Projekt" auf dieser Homepage veröffentlicht.

Fazit des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (23. Februar 2007):

„Das am 31.12.2006 ausgelaufene CMP-Projekt hat eindeutig belegt, dass sich ein strukturiertes psychoonkologisches Versorgungsprogramm positiv auf die betreuten Patienten auswirkt. Es hilft ihnen dabei, die psychischen Belastungen während der Krebsbehandlung besser zu ertragen. Es wird damit eine deutliche und bedarfsgerechte Verbesserung der Versorgungsqualität von an Krebs erkrankten Menschen erreicht. Die Erkenntnisse des erfolgreich verlaufenen CMP-Projektes sollen zu einer umfassenden Versorgung von Krebspatienten in Akutkliniken auf einer finanziell gesicherten Basis beitragen.“